Macht KI uns Musiker*innen überflüssig? Meine Antwort auf München TV
Vor Kurzem stand Carina Emrich von München TV mit Kamerateam bei mir im Südpark Studio. Ihre Frage: Wie verändert Künstliche Intelligenz die Musikproduktion – und habe ich als Produzent Angst davor?
Klare Antwort: Nein!
Den ganzen Beitrag könnt ihr hier anschauen: Musikproduzent Julian Scheufler über KI auf München TV
Was in dem kurzen TV-Beitrag nicht zu sehen ist: Wir haben bestimmt 45 Minuten gesprochen. Über KI-Songs, über Perfektion, über das, was Musik eigentlich ausmacht. Sendezeit ist knapp – mein Blog zum Glück nicht. Hier also noch ein paar Ergänzungen, die es nicht in den Beitrag geschafft haben.
Wir haben KI-Songs angehört – und genau hingehört
Mit Carina habe ich im Tonstudio München ein paar von ihr mit KI generierte Songs analysiert. Da musste ich zugeben: Die klangen gut. Sogar ein bisschen catchy haha. Im Beitrag hört ihr mich mitsingen 😉
Aber haben sie uns berührt?
Nicht wirklich.
Spannend wurde es, als wir im Detail reingehört haben. Da waren Dissonanzen, die nicht gewollt klangen. Instrumente, die mitten im Song einfach abreißen. Kleine Brüche, die verraten, dass hier ein Modell gewürfelt hat.
Das wird in Zukunft noch besser werden, und den meisten Hörer*innen fällt das heute schon nicht auf. Auch ich musste dafür genauer hinhören. Aber genau deshalb ist das gar nicht der Punkt, an dem ich die Diskussion führen will.
Übrigens: Ich nutze KI. Seit Jahren.
Bevor jemand denkt, hier schreibt ein Technik-Verweigerer: Ich arbeite seit Jahren mit KI im Studio – lange bevor ChatGPT das Thema in die Schlagzeilen gebracht hat.
In der Audiorestauration ist KI ein Segen. iZotope-Tools zur Rausch- und Verzerrungsentfernung gibt es schon ewig. Oder Stem Splitting: fertige Songs wieder in ihre Einzelspuren zerlegen. Brauche ich selten – aber wenn, dann sind solche Tools Gold wert.
Für Kreatives nutze ich KI dagegen nicht. Ich habe es probiert. Suno zum Beispiel: Ich hatte eine klare Vorstellung im Kopf – jemand sitzt im Wald, spielt Gitarre und summt dazu. Was rauskam? Klang immer nach Studio. Meistens mit Text. Manchmal sogar mit Schlagzeug. Why?
Dabei ist die Lösung so einfach: Ich gehe in den Wald, stelle ein Mikro auf – fertig. Echter geht’s nicht. Falls ich nicht in den Wald mag, kann ich auch im Studio aufnehmen und eine Atmo vom Wald dazu spielen. Da habe ich sogar die Auswahl, ob es ein bayerischer Wald mit heimischen Vögeln oder ein Tropenwald mit Regen und Äffchen wird.
Die Sorgen der Artists sind real
In der Sendung war keine Zeit dafür, aber im Gespräch mit Carina und vor allem mit den Artists hier im Studio merke ich: Die Verunsicherung ist groß. Und sie hat berechtigte Gründe.
Der Perfektionsdruck. Wenn KI-Produktionen super poliert klingen – und das werden sie –, denken viele Artists vielleicht, sie müssten genauso „perfekt“ klingen. Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Dazu unten mehr.
Der Sync-Markt. Hier wird es, denke ich, eher bergab gehen. Wenn die Musik nicht entscheidend ist, sondern einfach etwas Grooviges oder Stimmungsvolles im Hintergrund laufen soll, wird sie generiert werden. Ich habe selbst mal in einem Studio gearbeitet, wo wir für die Produktion von Radiospots Musik aus Datenbanken genommen haben. Hätte ich mir damals direkt etwas in passender Länge generieren lassen können – ich hätte es wohl auch getan. Praktisch und günstiger…
Noch mehr Masse. Jeden Tag entsteht unfassbar viel Musik, und KI macht es noch mehr. Aber: Die Masse haben wir jetzt schon. Wer heute gehört werden will, schafft das nicht über Menge – sondern über Verbindung.
Trainingsdaten. Manche sorgen sich, dass ihre Musik zum Training von KI-Modellen genutzt wird. Wird passieren – die großen Labels verlangen die Zustimmung mittlerweile in ihren Verträgen. Mein pragmatischer Rat: Darüber brauchst du dir keinen Kopf machen, ändern kannst du es ohnehin nicht. Deine Energie ist woanders besser investiert.
Warum ich keine Angst habe – sondern Potential sehe
Und jetzt zum Kern. Was heißt es eigentlich, echt zu sein?
Wenn perfekte, polierte Musik auf Knopfdruck entsteht, dann verliert Perfektion ihren Wert. Was bleibt? Das, was keine KI liefern kann:
Persönliche Lieder. Eine Stimme, die zittert, weil die Zeile wehtut. Imperfektionen, die nicht stören – sondern gerade schön sind. Ein Mensch, der sich zeigt und sich verbindet.
Genau das wird in Zukunft den Unterschied machen. Ehrliche, nahe, berührende Musik. Sich als Mensch zeigen, statt sich hinter Politur zu verstecken. Was früher vielleicht als „nicht professionell genug“ galt, wird zum stärksten Asset, das du hast: dass du echt bist.
Deshalb sehe ich KI nicht als Bedrohung, sondern als Klärung. Sie zwingt uns zurück zu der Frage, warum wir überhaupt Musik machen. Meine Antwort: weil wir etwas zu sagen haben. Weil wir berühren wollen.
Deine Musikproduktion im Tonstudio München
Wo stehst du gerade mit deiner Musik? Hast du dich von dem KI-Thema verunsichern lassen – oder spürst du auch, dass jetzt genau der richtige Moment ist, echter zu werden statt perfekter?
Du willst echte Musik machen? Ich unterstütze dich gern dabei – von deiner Idee bis zum Release. Let’s go!
LG Julian
