September 24, 2025
Neulich hat mich eine Musikerin gefragt, ob es sich lohnt, auf eine Audio-Schule zu gehen. Ob man da lernt zu produzieren, professionell aufzunehmen, ja sich vielleicht sogar selbst zu mischen… Die ganze eigene Vision aus der eigenen Hand? Klingt doch voll cool!
Meine ehrliche Antwort, als jemand, der selbst den Bachelor auf Audio Production an der SAE gemacht hat: Ja, man lernt dort Theorie. Man bekommt Einblicke in Technik, kann an tollen Mischpulten drehen, in super Studios mit Vintage-Effektgeräten und einer großen Auswahl an Mikrofonen arbeiten… und ja, man versteht die Theorie und lernt, warum viele YouTube-Tutorials eher verwirren als helfen. Das kann spannend sein – wenn man wirklich nerdig in die Materie einsteigen will. Für mich war es super!
Aber dass man nach ein paar Monaten oder Jahren Schule wirklich konkurrenzfähig produzieren und mischen kann, ist eine Illusion. Nach meiner Zeit an der SAE konnte ich zwar theoretisch erklären, was ein Kompressor macht, aber noch nicht hören, was der wirklich macht… Und ich konnte auch noch lange keine Mischung so liefern, dass sie klar, sicher und verlässlich auf jedem System funktioniert. Das hat Jahre Praxis gebraucht – von der Infrastruktur eines Studios abgesehen, das akustisch stimmt und mit ehrlichen Lautsprechern ausgestattet ist. Denn auch das ist auch nötig um professionell arbeiten zu können.
Viele verwechseln Lernen mit Vorankommen. Sich Tutorials reinzuziehen oder Kurse zu buchen fühlt sich produktiv an – ist aber oft nur die eleganteste Form von Prokrastination. Das ist Konsumieren. Wirklich weiter kommst du nur durchs Machen: Songs schreiben, aufnehmen, veröffentlichen, live spielen. Nur durch dieses Tun wächst du als Artist und findest deinen eigenen Sound
Natürlich kannst du dir Basics aneignen. Wenn du gerne Beats am Rechner baust oder Demos produzieren willst – perfekt! Lerne die Grundregeln, bau dir ein Setup, probiere dich aus. Aber hör bitte auf, 1000 Equalizer-Tutorials zu schauen und dich zu fragen, ob du einfach nur noch den richtigen Kurs buchen musst, damit dein Song so klingt wie im Radio. Das wird auf dem Weg eher nicht passieren… Zumindest nicht kurz oder mittelfristig. Und in der Zeit hättest du so viele neue Songs schreiben können oder Straßenmusik machen, um das Mixing vom Profi zu finanzieren – vom Geld das du dir bei so ner Audio Schule oder Online Kursen sparst ganz abgesehen….
Kenne einige Artists, die alles selbst stemmen wollen… und da entstehen richtig starke Songs, voller Kreativität und Energie – aber oft trägt die Produktion das Ganze nicht so weit, wie es eigentlich könnte. Und das ist schade, weil die Songs viel mehr Wirkung haben könnten.
Mein Wunsch: Mach das, was dich wirklich weiterbringt – Musik. Schreib Songs, geh auf die Bühne, verbinde dich mit deiner Community…
Für alles andere gibt’s Leute, die sich genau darauf spezialisiert haben. Und mit deren Unterstützung klingt deine Vision so, wie sie es verdient.
Und genau das ist mein Ding als Produzent und Mix-Engineer: dich dort abzuholen, wo du gerade stehst, und deine Musik so klingen zu lassen, dass sie draußen ihre Wirkung entfaltet.
LG Julian